Vollständige Version anzeigen : LACRIMOSA mit neuem Album im Mai!
Lange genug hat es gedauert:
Am 2. Mai 2005 veröffentlicht Tilo Wolff mit "Lichtgestalt" das mittlerweile neunte Studioalbum von LACRIMOSA.
http://www.martz-mailorder.de/infopic/121236.jpg
Nähere Infos gibt es HIER! (http://www.lacrimosa.de/d/index.htm) -.-
Ich bin jedenfalls von den Pre-Listening-Tracks KLICK! (http://www.hos-dl.de/lichtgestalt_samples.html) mehr als positiv überrascht! :) Nach den fast ausschließlich klassischen Alben "Elodia" und "Fassade" und dem nur mittelmäßigen letzten Output "Echos" scheint Tilo zu seinen alten Stärken zurück gefunden zu haben. Mich erinnern die Songs mehr als nur ein bißchen an die "Stille"-Ära, und das ist auch absolut gut so. Man darf mehr als gespannt auf das neue Werk sein!!!
NewYorkRipper
15.04.05, 13:30
Datum ist bei mir natürlich schon fest vorgemerkt :)
Ja ich habe auch den Eindruck, dass man wieder ein wenig auf die "Stille"-Ära zurückschaut, wenngleich ich seine neoklassischen Kompositionen der letzten Werke sehr zu schätzen weiss. Am meisten wünsche ich mir jedoch einen lacrimosa'schen Ausflug in alte Dark Wave-Gefilde, da ich persönlich die ersten Werke (wie bei fast jedem Künstler) am ausdruckstärksten empfand. Aber ob Thilo da zukünftig noch einmal anknüpfen wird, wage ich zu bezweifeln, denn das wäre wohl zu viel an Anti-Innovation für die experimentierfreudige Gruft-Ikone, wie dem auch sei, ich freu' mich und warte gespannt der Dinge -.-
Also bis ANGST oder EINSAMKEIT (obwohl ich letzteres Album auch sehr schätze) muß er von mir aus nicht zurückkehren. Mein Wunschtraum wäre da eher eine gesunde Schnittmenge aus SATURA, STILLE und viiiiieeeeel INFERNO! -.- -.- -.-
Aber wie gesagt, nach ECHOS konnte es eigentlich nur noch aufwärts gehen, und was ich vom neuen Album bislang hören könnte, läßt berechtigte Hoffnungen zu, daß eine LACRIMOSA-VÖ bei Erscheinen mal wieder mehr als nur ein, zwei Durchläufe im Player schafft! :)
NewYorkRipper
15.04.05, 16:32
Also bis ANGST oder EINSAMKEIT (obwohl ich letzteres Album auch sehr schätze) muß er von mir aus nicht zurückkehren. Mein Wunschtraum wäre da eher eine gesunde Schnittmenge aus SATURA, STILLE und viiiiieeeeel INFERNO! -.- -.- -.-
Mein Wunsch ließe sich wohl dadurch begründen, dass meine aboluten Lieblings-Stücke wie "Das Schweigen" *schmart* oder "Reißende Blicke" *schwelg* ganz ohne Gitarren auskommen +++ und der für Anfang die frühen 90er typische Dark Wave leider zu einer Seltenheit geworden ist :emb: Auch Thilo's damalige Stimmlage und der klagend-schluchzende Unterton bekommt auf meiner Gruftie-Skala volle 10 Punkte -.-
Also bis ANGST oder EINSAMKEIT (obwohl ich letzteres Album auch sehr schätze) muß er von mir aus nicht zurückkehren. Mein Wunschtraum wäre da eher eine gesunde Schnittmenge aus SATURA, STILLE und viiiiieeeeel INFERNO! -.- -.- -.-
Nein, also von mir aus auch nicht - denn mit der ANGST kann ich beim besten Willen überhaupt nix anfangen. Das is für mich ein Stück zu sehr auf intelektuell-künstlerisch gemacht. Gut, ich hab nix gegen solche Musik - aber ich finde die ANGST wirklich nicht berauschend. Deutlich besser wird es mit der EINSAMKEIT...
Jedenfalls wäre es echt super, wenn Thilo etwas mehr an die Sachen von STILLE anknüpfen würde - denn das ist für mich wirklich das Beste aus dem Hause Lacrimosa. Auch wenn mir persönlich die ECHOS ganz gut gefallen hat.
NewYorkRipper
15.04.05, 23:18
Nein, also von mir aus auch nicht - denn mit der ANGST kann ich beim besten Willen überhaupt nix anfangen. Das is für mich ein Stück zu sehr auf intelektuell-künstlerisch gemacht
Ach komm, mit Goethes Erben kannst Du doch inzwischen auch etwas anfangen :D
Auf jeden Fall sind die ersten beiden Werke das, was GOTHIC in seiner reinen Form am ehesten definiert, für mich als Gruftie sind diese von daher absolute Referenzwerke :lick:
Ach komm, mit Goethes Erben kannst Du doch inzwischen auch etwas anfangen :D
Auf jeden Fall sind die ersten beiden Werke das, was GOTHIC in seiner reinen Form am ehesten definiert, für mich als Gruftie sind diese von daher absolute Referenzwerke :lick:
Ja, das kann ich sehr wohl :D
Nur ist es ja auch jedem seine Geschmackssache... ich jedenfalls kann die ANGST nicht so richtig ab - wie schon gesagt. Die EINSAMKEIT hatte aber fürwohl vor längerer Zeit auch einen Stammplatz bei mir im Player, mein Freund! :)
Ach komm, mit Goethes Erben kannst Du doch inzwischen auch etwas anfangen :D
Auf jeden Fall sind die ersten beiden Werke das, was GOTHIC in seiner reinen Form am ehesten definiert, für mich als Gruftie sind diese von daher absolute Referenzwerke :lick:
Ein pures Gothic-Essential ist für mich aber definitiv auch Satura!
NewYorkRipper
16.04.05, 16:11
Ein pures Gothic-Essential ist für mich aber definitiv auch Satura!
Ja stimmt, der 'Stilbruch' erfolgte eigentlich erst danach, wobei ich das eher als schleichende Weiterentwicklung empfinde. Ist natürlich Geschmackssache, Anhänger von klassischen Gothic / Dark Wave kommen bei den ersten mehr auf die Kosten, Leute die mehr auf (Goth) Rock stehen, bei den darauf folgenden, wobei ich ja das Gesamtkunstwerk Lacrimosa schätze.
Ein extremes Beispiel wäre "Sanguis et Cinis", die ersten beiden Werke sind noch perfekte Lacrimosa-Klone, das 3. typischer Goth Rock und die letzten Outputs nur noch gewöhnlicher Hardrock inklusive kompletten Image-Wechsel, angefangen von den Texten bis hin zum Auftreten.
Rock-Kapellen wie HIM haben musikalisch meiner Meinung ebenfalls nicht das geringste mit Goth am Hut, ich finde, dass dieses Prädikat von Medien etc viel zu oberflächlich vergeben wird, was ich mir nur durch die anhaltende Kommerzialisierung erklären kann.
NewYorkRipper
19.04.05, 13:23
http://www.obliveon.menschkunst.info/pn-om/modules/interviews/tpl_images/c711865c9d195d26611531b472475e3f_l6.jpg
Das ist Lacrimosa wie man sie liebt, hinter jedem Detail steckt eine Aussage :)
Oblivion: Warum aber hast du plötzlich Angst vor dem bekommen, was du mit Lacrimosa gemacht und erreicht hast? Der Erfolg müsste dir doch eigentlich Sicherheit gegeben haben, oder hat es vielleicht auch was damit zu tun, dass du durch die vielen klassischen Elemente und die ganzen klassischen Musiker, den Chor und die Streicher zu viel Kontrolle aus der Hand gegeben hast.
>> Das weniger. Ich war einfach wahnsinnig beeindruckt war von der kompositorischen Leistung, die ich auf „Echos“ abgeliefert habe. Ich habe mich gefragt, ob ich so was je noch mal wieder hin bekomme. Ich bin schon nach der „Stille“ gefragt worden, wie man das noch toppen soll. Dann habe ich „Elodia“ gemacht und die Leute haben gesagt, dass man das wirklich nicht mehr toppen kann. Und das ging immer so weiter. Ich habe mir nie Sorgen gemacht weil ich immer wusste, dass ich einfach nur Gefühle zum Ausdruck bringen will. Ich entwickle mich weiter, also wird sich meine Musik auch immer weiter entwickeln und ich muss mir keine Sorgen machen. Plötzlich, nach „Echos“, habe ich mir selber ein Bein gestellt und mich selber in Frage gestellt. Musikalisch ist das für jemanden, der das ja auch nie gelernt hat, und der an Solomusikern die Elite Europas im Studio gehabt hat, sehr beeindruckend. Ich war zu sehr beeindruckt von dem, was aus Lacrimosa geworden ist. Das war einfach für mich das Problem. Lacrimosa war mich ein riesiger Berg und ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich da hoch klettern sollte und vergessen hatte, dass ich den Berg ja selber erschaffen habe. Und so hast du auch sofort den Bezug zum Albumcover. Bei „Echos“ habe ich damals gesagt, dass ich nicht weiss, wo dieses Schiff hinfährt. Ob es auf das Meer hinausfährt oder an Klippen zerschellt. Ich konnte mir allerdings vorstellen, dass es nicht weiter dort unten in dieser Schlucht weitergehen muss, sondern vielleicht auf dem Land und in einer ganz anderen Atmosphäre. In der Höhe nämlich, auf diesem Berg. Auf der Coverrückseite, links neben den ausgezogenen Kleidern, sieht man die Schlucht und hier kann man sich vorstellen, dass dort das Schiff festgemacht hat oder vielleicht auch zerschellt ist. Der Harlekin ist diesen Berg hinauf geklettert und es interessiert ihn gar nicht mehr, ob da vor ihm das offene Meer ist. So ist es mir ja ergangen. Das Cover symbolisiert das ganz deutlich, denn ich habe für mich gemerkt, dass ich mich in einer Schlucht festgefahren und vergessen habe, komplett den Überblick zu bewahren. Ich habe vergessen, dass ich der Schöpfer Lacrimosas und des Harlekins bin, der ja die visuelle Umsetzung der Musik ist. Deswegen darf er sich hier auch das erste Mal ohne Kleider präsentieren, was dafür steht, dass dieses Album direkt, deutlich, klar und nackt ist. Dass ich mich hier ganz bewusst und unverblümt, was man auch in den Texten hört, präsentieren möchte. Auf der anderen Seite präsentiert er hier die Flügel, die er vorher nie präsentieren konnte, und die er vorher eigentlich auch nie hatte. Das ist ein Zeichen dafür, dass, so wie sich die Musik entwickelt, er sich mit der Musik entwickeln kann. Der Punkt, warum er Fledermausflügel hat, ist ein religiöser Gedanke. Wenn man davon ausgeht, dass der Engel des Lichts ja der gefallene Engel ist und zum Inbegriff des Dunklen wurde, dann geht es dem Menschen ja eigentlich ähnlich. Er sollte die Krönung der Schöpfung sein, ist aber zur Schande der Schöpfung geworden. Wir sind alle gefallene Engel. Wir erinnern mit unseren Flügeln noch an die Fähigkeit lieben zu können, was wir noch haben und im einzelnen auch tun, aber sie sind nicht mehr so schön wie sie eigentlich hätten sein und vielleicht auch wieder einmal werden können. Bisher hat der Mensch es aber weder im kleinen noch im grossen geschafft diesen Frieden für sich zu bewahren und sich die Krone aufzusetzen, die er eigentlich haben sollte. Stattdessen benimmt er sich vollkommen gegenteilig, nämlich als Abschaum.
Oblivion: Wie bist du überhaupt auf den Titel des Albums, „Lichtgestalt“, gekommen? Zu Zeiten eines Bundestrainers Franz Beckenbauer war dies ja ein fast schon inflationär gebrauchter Begriff. Dieser Begriff suggeriert einem ja, Hoffnung zu geben oder zu empfangen und Kraft zu spenden. War das die Intention bei der Wahl des Titels?
>> Ich hatte diesen Begriff ganz weit in meinem Hinterkopf. „Ja, Lichtgestalt, stimmt. Franz Beckenbauer…“ aber das ist mir zum Glück gar nicht so bewusst gewesen, sonst hätte ich das Album sicher nicht so genannt. Die Antwort ist jedoch jein. Sicher als Hoffnungsträger und eine Gestalt, die strahlt, zu der man aufblickt und in deren Nähe man sich auch gerne begibt, weil man gerne etwas von dem Licht und der Wärme abhaben möchte. Auf der anderen Seite singe ich in dem Lied aber auch „Lichtgestalt, in deren Schatten ich mich drehe“. Es ist also zweischneidig zu sehen. Einerseits sucht man diese Lichtgestalt und sehnt sie herbei, andererseits merkt man dann aber auch sehr schnell, dass diese Lichtgestalt einen sehr schnell in den Schatten stellt und einen selber überragt. Das ist auch wieder ein Teil dessen, was ich vorhin erzählt habe. Ich habe Lacrimosa gegründet. Ich schreibe die Musik, ich bin der Produzent, bin ich die Lichtgestalt, die diese Marionette dirigiert. Nach “Echos“ habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr diese Lichtgestalt bin. Der Harlekin, wenn man ihn als Sinnbild für Lacrimosa nehmen möchte, wird plötzlich zur Lichtgestalt und ich stehe in seinem Schatten und komme da nicht mehr hinaus. Ich bin nicht mehr in der Lage Musik zu schreiben, ihn sozusagen zu füttern, weil er mich überstrahlt. Weiterhin werde ich in der Öffentlichkeit mit Lacrimosa gleich auf das reduziert und ich merke, dass ich zum Harlekin werde. Man sagt Lacrimosa und denkt an Tilo Wolf und man sagt Tilo Wolf und denkt an Lacrimosa. Plötzlich bin ich, Tilo Wolf, die Figur, die von diesem Harlekin als Marionette bewegt wird. Da gibt es also eine Wechselwirkung, so dass mal ich die Lichtgestalt für ihn bin, und er umgekehrt für mich. So wie er jetzt vor mir kniet, wenn ich mir das Cover ansehe, knie ich im Prinzip auch vor ihm. Ich knie vor meinem Schöpfer und, ganz wichtiger Punkt, so wie ich auf „Echos“ mit dem Schiff vor meinem Publikum davon gefahren bin, so habe ich mich hier ganz bewusst in einer relativ demütigen Haltung vor das Publikum gekniet, weil ich meinem Publikum gegenüber ja auch eine gewisse Verantwortung und eine gewisse Schuldigkeit habe. Dieser Verantwortung möchte ich mir auch bewusst sein. <<
NewYorkRipper
19.04.05, 13:33
Oblivion: Die einzelnen Parts, sei es nun, was die Härte oder auch die atmosphärischen Passagen angeht, scheint „Lichtgestalt“ sehr viel extremer ausgefallen, als alle anderen Alben zuvor. Auch deine Stimme bricht mehrmals weg, was die Emotionen, die du zum Ausdruck bringen möchtest, klar in den Vordergrund stellt.
>> Das war ganz bewusst so angelegt. Das hat wieder was von dieser Nacktheit des Covers, einer Nacktheit, die ich bei diesem Album einfach auch empfinde. Ich weiss, dass ich nicht der weltbeste Sänger bin, das werde ich auch nie werden, aber ich habe eine Gabe, die sehr selten ist. Ich kann meine Gefühle sehr gut in meiner Stimme ausdrücken. Dieses Potential will ich ausschöpfen, und das habe ich auf den letzten Alben auch immer mehr und mehr ausgeschöpft. Dabei habe ich eine sehr grosse Freude und andererseits gibt es mir auch wieder sehr viel Selbstbewusstsein. <<
Oblivion: „Lichtgestalt“ scheint ein Album über die Liebe zu sein, aber kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne.
>> Absolut. Die Thematik des Albums ist die Liebe und wie ich damit umgehe. Welche Erfahrungen ich mit der Liebe gemacht habe und weil es ein Thema ist, dass mich allgemein ehr interessiert. Hier hat es sich, wie bei „Elodia“ und „Fassade“, im Laufe der Arbeit herauskristallisiert, dass es sich in diese Richtung entwickeln würde, auch wenn es nicht als Konzept geplant war. Das habe ich erst bei den Aufnahmen realisiert und war mal wieder sehr spannend, weil ich gerne selbst überrascht werde und mir mal wieder vor Augen führt, wie alles zusammenhängt, ohne dass es geplant war. Ich habe das Album allerdings nicht „Liebe „ genannt, um es offensichtlich zu machen, sondern aus folgenden Gründen. „Elodia“, „Fassade“ und „Echos“ sind drei sehr offensichtliche Konzeptalben, und das könnte anfangen zu nerven. Mich nervt es langsam schon so ein bisschen. Dieses Album soll nicht als das weltbeste oder bombastischste gelten. Für den einen oder anderen kann es das vielleicht sein, hat aber ganz andere Werte. Zu diesem Zeitpunkt ist es einfach nicht angebracht einen Aufkleber auf das Album zu machen wo draufsteht „ich bin ein Konzeptalbum“. <<
... und noch eine Anekdote zum Thema "Gothic Metal"
>> Als ich 1994 „Schakal“ und 1995 „Inferno“ herausgebracht habe, haben mir die Grufties gesagt, dass ich das nicht veröffentlichen könnte, weil es viel zu hart für die Gothicszene sei. Und die Metaller haben gesagt „wer soll denn das hören, das ist doch viel zu düster“. Das war halt die Geburtsstunde des Gothic Metal, oder zumindest des symphonischen Gothic Metals. Kurze Zeit später konnte man das Wort Gothic Metal, was damals eigentlich noch gar nicht existiert hat, schon gar nicht mehr hören, weil mittlerweile so viele Bands auf dieses Trittbrett aufgesprungen sind, dass selbst ich mittlerweile sage: „bitte nicht noch eine Gothic Metal-Band“. Da sehe ich vielmehr das Problem, denn die Leute in der Szene sehen hier gar nicht mehr, dass es sich um Trittbrettfahrer handelt. Ich kenne viele Musiker und ich weiss, was die vorher gemacht haben, und das ist dann wirklich bedenklich. <<
Sehr interessantes Interview! -.-
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